01.06.2010rss_feed

Absehbare Fehlbestände im Wohnungsbau

Mieterbund warnt vor absehbaren Fehlbeständen und fordert Initiativen für den Wohnungsbau im Rhein-Sieg Kreis

Das Jahr 2009 markiert einen historischen Tiefpunkt bei der Zahl der fertig gestellten Wohnungen in Nordrhein-Westfalen. Lag die Zahl der Baufertigstellungen im Jahre 1995 noch bei 104.558 Wohnungen wurden nach den Zahlen der amtlichen Statistik (IT.NRW) in 2009 nur noch 31.916 Wohnungen errichtet und damit noch einmal 10,6 Prozent weniger als im ohnehin schon schwachen Vorjahr 2008. sagt Franz-Josef Windisch Geschäftsführer des Deutschen Mieterbund Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahr e. V. bei einem Pressegespräch in der Siegburger Geschäftsstelle.

Zahlen im Wohnungsbau sinken

Im Rhein-Sieg-Kreis lag die Zahl der fertig gestellten Wohnungen in Neubauten im Jahr 2008 noch bei 1633 Einheiten, davon 459 in neu errichteten Mehrfamilienhäusern. Im Jahr 2009 waren es nur noch 1370, davon 327 Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern.
Zum Vergleich: Im Jahr 1995 wurden im Rhein-Sieg-Kreis insgesamt 2.942 Wohneinheiten errichtet.
Besonders die Zahl der öffentlich-geförderten Wohnungen ging im Laufe der Jahre immer stärker zurück. Nur noch etwa 5 % aller Wohnungen im Rhein-Sieg-Kreis sind inzwischen noch preisgebundene Mietwohnungen.

Höhere Mieten als Folge

Folge dieser Entwicklung sind eine angespanntere Wohnungsmarktlage und deutlich höhere Mieten in der sogenannten Rheinschiene als im Landesdurchschnitt. Schon jetzt fehlen hier vorrangig preiswerte Mietwohnungen für untere und mittlere Einkommensgruppen.

Berechnungen für Bonn und den Rhein-Sieg Kreis

Nach allen bisherigen Vorausberechnungen wird die Zahl der benötigten Neubauwohnungen gerade in der Region Bonn/ Rhein-Sieg bis zum Jahr 2025 noch weiter steigen. Dabei ist diese Zahl nicht allein von den auch weiterhin für das Kreisgebiet prognostizierten Bevölkerungsgewinnen abhängig, sondern wesentlich auch von dem deutlichen Anstieg der Haushaltszahlen bei zunehmend kleineren Haushalten.

Für Bonn wird sich nach Untersuchungen der NRW.Bank die Zahl der Haushalte bis zum Jahr 2025 um 10,3 bis 12,8 % erhöhen, im Rhein-Sieg-Kreis um immerhin 8 bis 8,2 %.

Der quantitative und qualitative Neubaubedarf an Wohnraum erfordert aus Sicht der Deutschen Mieterbundes Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahr daher eine deutliche Erhöhung der gegenwärtigen Baufertigstellungszahlen, um diesen absehbaren Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt gerecht werden zu können.

Ein weiterer Gesichtspunkt kommt hinzu. Ein großer Teil des Wohnungsbestandes des Landes wurde in der Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und in den Jahren bis 1969 gebaut. Im Rhein-Sieg-Kreis stammen mehr als 40 % des Wohnungsbestandes aus dieser Zeit.

Sowohl der absehbare Anstieg der älteren, behinderten und pflegebedürftigen Bevölkerung als auch neue Anforderungen an den energetischen Zustand von Wohngebäuden erfordern grundlegende Veränderungen in den Wohnungsbeständen. Gegenwärtig gibt es in NRW beispielsweise nur etwa 125.000 barrierefreie Wohnungen.

Bis zum Jahre 2025 müssen landesweit etwa 1/3 des Wohnungsbestands mit barrierearmen, barrierefreien und altersgerechten Standards umgebaut werden, wenn das selbständige Wohnens im Alter gestärkt und damit die sozialen Sicherungssysteme entlastet werden sollen. Daraus ergibt sich ein erheblicher zusätzlicher Umbau- und Modernisierungsbedarf.

Mit dem DMB-Landesverband in NRW setzt sich der Deutsche Mieterbund Bonn/ Rhein-Sieg/ Ahr dafür ein, dass auch in der kommenden Legislaturperiode in Nordrhein-Westfalen jährliche Wohnungsbauprogramme mit einer Finanzausstattung von 1 Mrd. Euro aufgelegt werden und über die NRW.Bank darüber hinaus ein Förderprogramm zur Umrüstung des vorhandenen Wohnungsbestands zur Verfügung gestellt wird.

Von den Städten und Gemeinden in der Region erwartet der Mieterbund eine aktive Flächen- und Baulandpolitik für den öffentlich geförderten und den freifinanzierten Mietwohnungsbau. 

Franz-Josef Windisch: Der Schwerpunkt muss auf der Entwicklung und Bereitstellung von preiswertem Bauland innerhalb bestehender Siedlungsstrukturen liegen, dort wo eine gute verkehrliche und soziale Infrastruktur gewährleistet ist. Wünschenswert ist, dass die Entwicklung von Wohnbauland in den Städten und Gemeinden der Region den gleichen Stellenwert erhält wie die Bereitstellung von gewerblichen Bauflächen. Tatsächlich werden voll erschlossene gewerbliche Bauflächen bisher oft zu einem Preisniveau angeboten, das nur bei etwa 25 % des Wohnbaulands liegt.

Viel stärker als bisher wird nach Auffassung des Mieterbunds zukünftig der Geschoss-wohnungsbau für Ältere - aber auch andere Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Alleinstehende oder Alleinerziehende - in den Vordergrund rücken. Mit einer breiten Mischung von öffentlich geförderten und freifinanzierten Mietwohnungen sowie Eigentumsmaß-nahmen kann dabei ein hohes Maß an städtebaulicher und sozialer Stabilität geschaffen wird. Solche gemischt belegten Wohn- und Stadtquartiere verhindern die Bildung von sozialen Brennpunkten mit einseitigen Miet- und Belegungsstrukturen, die erhebliche finan-zielle Aufwendungen der öffentlichen Haushalte und Sozialkassen erfordern.

Bei der Umsetzung der Wohnraumförderungsprogramme des Landes stehen in einigen Städten im Rhein-Sieg-Kreis aktive Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften zur Verfügung, weiterhin die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft, die entsprechend gestärkt werden muss.

Mieterbund fordert kontinuierliche Wohnungsmarktbeobachung

Schließlich spricht sich der Mieterbund erneut für eine kontinuierliche Wohnungsmarktbeobachtung für den Rhein-Sieg-Kreis aus. Die Wohnungsmärkte in Nordrhein-Westfalen unterliegen permanenten Veränderungen, die regional sehr unterschiedlich ausfallen. Aufgabe der Wohnungspolitik ist es, auf diese zu reagieren und gemeinwohlschädlichen Entwicklungen entgegenzuwirken. Ohne Datenmaterial sind wichtige Fragestellungen nicht zu beantworten. Transparente und verlässliche Informationen über aktuelle Entwicklungen sowie qualifizierte Prognosen über zukünftige Veränderungen auf den regionalen Wohnungsmärkten gehören daher zu den wesentlichen Grundlagen für die Ausrichtung der kommunalen Wohnungspolitik und sind Voraussetzung für bedarfsgerechtes und voraus-schauendes Handeln.