100 Jahre Deutscher Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V.


Wahlaufruf zur Kommunalwahl

Wahlaufruf zur Kommunalwahl

 

Die Anfänge

Der Mieterverein Bonn wurde am 09. Februar 1919 gegründet. Der Verein kandidierte bereits im selben Jahr zur Kommunalwahl. Schon früh begannen Auseinandersetzungen zwischen einem fortschrittlichen und einem konservativen Lager, die zu einer Spaltung des Vereins führten: Der Mieterverein stand fortan nah an der Seite der Sozialdemokraten, der Mieterschutzverein auf Seiten der konservativen Parteien, die zur regierenden Zentrumspartei aber ebenfalls in der Opposition standen. 

Ein Jahr nach der Gründung des Bonner Mietervereins trafen sich am 02.02.1920 auch in der Stadt Siegburg Bürgerinnen und Bürger, um eine Interessenvertretung für Mieter zu schaffen. 62 Mitglieder traten anlässlich der Gründungsversammlung dem Siegburger Mieter-Schutzverein bei.

In der eigentlichen Arbeit der Mietervereine wurde schon damals viel geleistet. So zum Beispiel im Jahr 1929: Die Zahl der Mitglieder in Bonn war auf 1.200 gestiegen. Der Verein erteilte in diesem Jahr bereits 9.000 Auskünfte und vertrat seine Mitglieder bei 350 Terminen beim Mieteinigungsamt oder beim Mietschöffengericht.


 

Anpassung an das Nazi-Regime

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten konnten die Vereine ihre Arbeit zunächst fortsetzen. Ab dem 18.12.1933 nahm der Mieterverein Bonn die der Naziideologie entsprechende Einheitssatzung für Vereine an und passte sich der herrschenden Ideologie an, zum Beispiel was die Diskriminierung von Juden auf dem Wohnungsmarkt betraf.

Im April 1939 wurde ein Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden beschlossen. Sie konnten aus den Wohnungen gewiesen werden, in arischen Häusern konnte ihnen fristlos gekündigt und der Zuzug in ausgewählten Wohnbezirken verboten werden. Von Protesten des Mietervereins hiergegen ist nichts bekannt.



 

Neuanfang in Ruinen

Nach dem Krieg waren fast 90 Prozent der Wohnungen in Bonn zerstört oder massiv beschädigt. Die Lebensbedingungen waren katastrophal. Im März 1948 lud der Mieterverein zu einer ersten Generalversammlung ein, in der eine zeitgemäße Satzung verabschiedet wurde. Durch die intensive Arbeit, besonders von Geschäftsführer Pavil Popiel, konnte der Verein bis 1973 wieder auf 2.300 Mitglieder wachsen.

Entscheidend für die Zeit war die Abschaffung der Mieterschutzgesetzgebung durch den sogenannten Lücke-Plan. Paul Lücke war von 1957 bis 1965 Bundesbauminister. In seiner Amtszeit verabschiedete der Bundestag das Gesetz über den Abbau der Wohnungszwangswirtschaft und ein soziales Miet- und Wohnrecht, den sogenannten Lücke-Plan. Dieses Gesetz bewirkte die schrittweise Abschaffung der Mietpreisbindung für Altbauwohnungen und eine deutliche Einschränkung der öffentlichen Wohnraumbewirtschaftung. Die Mieten wurden stufenweise freigegeben. Die Einführung eines Wohngeldes war dafür nur ein schwacher Trost.


Bonn hilft bei der Organisation einer Protestkundgebung der Brandenburger Mieter in Bonn 1992

Bonn hilft bei der Organisation einer Protestkundgebung der Brandenburger Mieter in Bonn 1992

 

Jahre des Fortschritts

Im Jahr 1981 schlossen sich die bis dahin selbständigen Mietervereine Bonn und Siegburg zusammen, um die Mieterinteressen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis noch effektiver unterstützen zu können. Seit 1975 nahm der Mieterverein Bonn unter dem neuen Vorsitzenden Bernhard von Grünberg, ab 1984 dann als Geschäftsführer, einen erheblichen Aufschwung.

Der Verkauf von Wohnungen und die zunehmende Privatisierung kommunaler Wohnungen rufen auch den Mieterbund auf den Plan.

Nach dem Mauerfall helfen wir bei der Gründung eines Mietervereins in Potsdam.

Ein großer Erfolg ist die Einführung des ersten gemeinsamen Mietspiegels in Bonn.


 

Hartz IV und die Folgen

Der MIeterbund beteiligt sich an Bündnissen und Initiativen, wie zum Beispiel dem Netzwerk Soziales Bonn oder der Aktion Heizspiegel.

Schon vor  Einführung von Hartz IV stärkt der Mieterverein seine Bemühungen für Menschen in Armut und prekären Verhältnissen. Für Hartz-IV-Bezieher schließt der Mieterbund eine Vereinbarung mit der Stadt Bonn ab.

Immer deutlicher wird: Es fehlen Sozialwohnungen, weil die Förderung von sozialem Wohnungsbau vernachlässigt wurde. 

Heute sind mehr als 22.000 Haushalte Mitglied des Mieterbunds Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V. Ein wesentlicher Grund für dieses Wachstum war eine Professionalisierung mit hauptamtlichen Rechtsberatern, besseren Räumlichkeiten und die Einmischung in die Wohnungspolitik auf kommunaler und Landesebene. Und das durchaus mit Erfolg: Der Mieterbund konnte zum Beispiel qualifizierte Mietspiegel durchsetzen und die Fehlbelegungsabgabe abschaffen.
Inzwischen ist der Mieterbund Bonn / Rhein-Sieg / Ahr e.V. bestens vernetzt mit anderen Beratungsstellen im sozialen Bereich und verfügt über Zweigstellen in Bad Honnef, Rheinbach und Tannenbusch.